AUSSTELLUNGEN
 
EVENTS
 
TEXTE
Who makes Europe
PMB-Kunstpreis 2012
Kunststrassen
PMB-Kunstpreis 2010
Guy Ben-Ner
Videonale 12
Interview Herzogenrath
Interview Stoschek
Elke Nebel
Neues Sehen
was schläft
Katja Pudor
Klub Analog
A.R. Penck
 
PUBLIKATIONEN
 
KÜNSTLERLISTE
 
KONZEPT / VITA / KONTAKT




KATJA PUDOR – von Jetzt bis Dann

Katalogtext Susanne Hinrichs in Goldrausch Künstlerinnenprojekt ART IT, Berlin





Vor Jahren verlässt die Künstlerin die Leinwand. Der Bilderrahmen ist für ihre farbintensiven und schwindelerregenden Darstellungen zu klein geworden. Heute schafft sie aus einem Konglomerat vielfältiger Materialien – Papier, Folien, Spiegel, Papiertischdecken u.a. – riesige Rauminstallationen, die nur noch entfernt an die einst an Leinwand und Pinsel gebundene Malerin erinnern lassen. Sie taucht in eine Welt der Bilderflut ein und greift sich heraus, was zur Verfügung steht. Ein medialer Bilderquell, der stets sprudelt und beständig ungebrauchtes Material liefert. In immer neuen Konstellationen, Gegenüberstellungen und Paarungen entsteht ein Bilderzyklus, der den Raum überschwemmt. Die Farben werden zum einen durch das Material, welches sich in großen und kleinen Bahnen entlang der Wand entfaltet, definiert. Andererseits schöpft Pudor aus einer nicht versiegen wollendenden Quelle von Farben und Farbnuancen, verschiedenartigen Stiften, Pinseln und Tuschen, die alle gleichberechtigt nebeneinander zu Papier gebracht werden. Beeindruckend sind jedoch die immer noch mit Edding gezeichneten Landschaften und Räume in schwarz/weis, die häufig das Zentrum einer Installation bilden. An diesen Orten kommt der Blick des Betrachters zur Ruhe. Er findet einen Fokus, kann sich berauschen lassen von einem gründerzeitlichen Salon mit opulenter Ornamentik oder einer romantischen Landschaft. Damit bewirkt Pudor den Ausflug hinaus aus der Kammer in eine unwirkliche Welt, die zeitweise beseelt ist von fremdartigen Wesen und Geschöpfen. Doch die überbordende Materialität der Installation lässt keine lange Exkursion zu. Schnell wandert der Blick zurück, spiegelt sich und bezieht den Betrachter in das Geschehen mit ein. An anderer Stelle prallt er ab, verhindert ein Eindringen, ein zu Nahekommen. Jegliche Begrenzungen scheinen aufgehoben, wenn die Künstlerin den Raum adaptiert und ihn sich zu eigen macht. Wände geraten zu Aussichten und Reflexionsflächen, Böden bilden Wände, oben und unten bedingen und verweigern sich zugleich. Raumordnungen und Strukturen heben sich auf, lassen sich neu definieren, oder gar nicht mehr bestimmen. Der Eindruck unerschöpflicher Phantasien entsteht, wenn diese sich gleichsam durchdringen und konterkarieren. Sie sind simultane Lieferant neuer Wahrnehmungsmöglichkeiten und räumlicher Definition. Das künstlerische Panorama verhindert jegliches Verweilen, es verwehrt den Halt, lässt in den Abgrund stürzen, fängt auf in der Tiefe und schleudert uns zurück zum Anfang. Bekannte Wahrnehmungsstrategien, Ordnungsmechanismen oder Orientierungshilfen wirbeln durcheinander. Die Flut der Bilder rauscht vorbei, so wie wir es immer und immer wieder in unserem medialen Alltag erfahren. Doch Pudor erlaubt uns innerhalb dieser Woge innezuhalten, bewusst zu werden und wahrzunehmen. Die Zeit scheint für einen kurzen Augenblick stillzustehen und verhilft zu einer neuen Sicht auf die Dinge.